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Holzbau: Gärtner, bleib bei deinem Spaten

Dass wir vermeintlich alles können, in manchen Regionen sogar Hochdeutsch, ist eine verbreitete Annahme.

Holzbau: Gärtner, bleib bei deinem SpatenDass wir vermeintlich alles können, in manchen Regionen sogar Hochdeutsch, ist eine verbreitete Annahme. Doch bei vielen Leistungen aus anderen Gewerken ist es ratsam, zweimal hinzuschauen, bevor man losbaut. Das gilt in besonderem Maße für Holzbauwerke.

Kaum ein Gewerk wird mit einem ähnlich breiten Leistungsspektrum konfrontiert wie der Garten- und Landschaftsbau. Das kommt einfach daher, dass ein Garten – ebenso wie andere Freianlagen – nicht nur aus Erde und Pflanzen besteht, sondern auch Gestaltungselemente aus Stein, Beton, Metall, Holz und vielen anderen Materialien enthalten kann.

So ist der Gärtner Generalist geworden; zumindest auf dem Papier. In Wirklichkeit hat es aber auch dazu geführt, dass viele heute vieles können – aber nichts mehr perfekt. Schon in der Ausbildung wird gepflastert (schlechter als im Pflasterbau), gemauert (schlechter als im Maurerhandwerk), geschraubt (schlechter als im Zimmermannshandwerk) und am Ende mit Torf aus der Tüte angeböscht und mit Pflanzen dekoriert; schlechter als der Gärtner es konnte, wie es ihn einmal gab.

Man kann diesen Zustand bedauern – was nicht sehr konstruktiv wäre. Oder man kann die richtige Konsequenz daraus ziehen. Und die lautet: Weil der Kunde Lösungen aus einer Hand verlangt, ist es richtig, dass der Gärtner als Generalunternehmer auftritt. Das verlangt aber vom Unternehmer gleichzeitig, dass er für alle Leistungen Spezialisten vorhält; sei es als speziell ausgebildete oder weitergebildete Mitarbeiter, sei es als Netzwerkpartner oder sei es als vertrauenswürdige Subunternehmer.

Am Bespiel des Holzbaus mit all seinen Besonderheiten und Regeln könnten das zum Beispiel Zimmerleute oder Tischler sein, die sich auf den Bau bewitterter Holzbauwerke spezialisiert haben. Denn in der Regel bauen auch die Holzbaugewerke Konstruktionen, die später von einem Dach geschützt werden. Deshalb kann sich natürlich auch ein Landschaftsgärtner auf den Holzbau spezialisieren. Aber, das muss er dann eben auch tun, wenn er dauerhafte Bauwerke aus Holz errichten will.

Das fängt mit der Auswahl der Hölzer an. Neben den heimischen Hölzern, die zu großem Teil sehr weich sind, gab es einst Rotzeder, sibirische Lärche, Bongossi, Bangkirai und Teak. Doch der globale Holzverbrauch hat dazu geführt, dass ständig neue Tropenhölzer auf den Markt gespült werden, während andere verschwinden, weil die Ressourcen ausgeschöpft sind. Wer heute „Bangkirai“ bestellt, bekommt schon lange nicht mehr das, was er früher erwarten durfte. Als Handelsname steht Bangkirai gleich für eine ganze Gruppe von verwandten südostasiatischen Baumarten mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften.

Dazu kommt eine explodierende Zahl von modifizierten Hölzern oder Holzersatzstoffen unterschiedlicher Zusammensetzung. Es gibt Kunststoffe in Holzanmutung und zahlreiche Holz-Polymer-Gemische (WPC) aus Kunststoffen, Holzfasern oder anderen organischen Bestandteilen. Das bedeutet für den Dienstleister, sich ständig auf neue Hölzer und Materialien einzustellen, die Legalität ihrer Herkunft oder die ökologischen Kosten abzuschätzen, ihr Langzeitverhalten unter Freilandbedingungen zu recherchieren und ihre Verarbeitbarkeit zu testen. Das gilt besonders für Terrassendielen, die wegen ihres horizontalen Einbaus, der intensiven Nutzung und des hohen ästhetischen Anspruchs besondere Anforderungen gerecht werden müssen.

Hier ist neben den Hölzern auch die Befestigung ein Punkt, mit dem man sich lange aufhalten kann. Wird sichtbar – also von oben durch die Diele – verschraubt oder erfolgt die Verschraubung unsichtbar in den Holzfugen? Zahlreiche Systemvarianten ermöglichen es, das Holz auf der Unterkonstruktion zu befestigen, ohne dass man Schrauben sieht; teils mit Halterungen, die seitlich in die Diele greifen und teils mit Clips, die von unten an dem Brett befestigt werden. Benedikt Schradi hat sich unterschiedliche Varianten angesehen und auf ihre Praktikabilität hin untersucht (siehe DEGA GALABAU, Ausgabe 9/2011, S. 40).

Auch diese Befestigungen müssen den Gesetzten des konstruktiven Holzschutzes genügen – sprich, Luft zwischen die Hölzer bringen, damit sie abtrocknen können. Und sie dürfen nicht korrodieren, um keine Feuchtigkeit ins Holz zu bringen. Das ist das zentrale Gesetz des Bauens mit Holz im Außenraum: Wasser ist so lange kein Problem, wie es nicht auf dem Holz stehen bleibt oder ins Holz eindringt. Deswegen gilt es, alle Verbindungen einzelner Holzbauteile untereinander und vom Holz zu anderen Baustoffen oder ins Erdreich so zu gestalten, dass das Wasser schnell ablaufen oder/und verdunsten kann. Abgedecktes Stirnholz, Abschrägungen, Abstandhalter und Stahlfüße sorgen dafür, dass Pilze möglichst wenig Angriffsflächen geboten bekommen (siehe dazu auch DEGA GALABAU, 9/2011, S. 30, ).

Grundsätzlich ist Holz ein dankbarer Werkstoff. Mit verhältnismäßig wenig Aufwand lassen sich tolle Gestaltungselemente zaubern. Und wenn sich am Ende ein Mitarbeiter so richtig reingefuchst hat, in die Regeln des konstruktiven Holzschutzes, dann lässt sich qualitativ hochwertig und dauerhaft bauen – und durchaus auch mit guter Rendite, wie der schwäbische Unternehmer Schradi beweist (siehe DEGA GALABAU, 9/2011, S. 46).

Gerade als Terrassenbelag liegt Holz weiter voll im Trend. Das ist ein guter Grund, sich intensiv mit dem Werkstoff auseinanderzusetzen. Denn mit Holzbau ist es wie mit Schwimmteichbau, Trockenmauerbau, Dachbegrünung und anderen Spezialgebieten im Landschaftsbau: Wer es nicht richtig kann, sollte die Finger davon lassen; sonst wird’s schnell richtig teuer.

TEXT und BILD: Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GALABAU

DEGA GALABAU 9/2011 erscheint am 2. September 2011



(c) DEGA GALABAU/campos online, 30.8.11

geschrieben von Tjards Wendebourg am 25.09.2011 um 18:09 Uhr.


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